Ehrentag des Unkrauts – Vom Wert wilder Pflanzen

Was für viele Gartenbesitzer ein Ärgernis ist, hat am 28. März seinen ganz eigenen Ehrentag: den Ehrentag des Unkrauts. Die Gemeinderatsfraktion Die GRÜNEN/DIE PARTEI lädt dazu ein, den Blick auf vermeintlich störende Pflanzen zu überdenken und ihre ökologische Bedeutung neu zu entdecken.
Unkraut – oft als unerwünschte Pflanze definiert – ist in Wirklichkeit ein wichtiger Bestandteil unserer Ökosysteme. Pflanzen wie Brennnessel, Löwenzahn oder Gänseblümchen bieten Nahrung für Insekten, fördern die Biodiversität und tragen zur Bodenverbesserung bei. Gerade in Zeiten des Insektenrückgangs gewinnen diese robusten Wildpflanzen zunehmend an Bedeutung, denn die Abhängigkeit unserer Insekten von Wildpflanzen ist groß.
So ernährt beispielsweise die Wilde Möhre eine Vielzahl von Wildbienen und Wespen, Fliegen, Käfer und Schmetterlinge, wie den wunderschönen Schwalbenschwanz.
Und was vielen Bürger*innen wohl nicht bekannt ist, die Innenstadt von Mannheim ist ein Hotspot der Artenvielfalt: über 600 Pflanzenarten wurden hier in den letzten 20 Jahren bei jährlichen Kartierungen nachgewiesen! In Pflasterfugen, Baumscheiben und Parks finden die oft unscheinbaren Pflanzen ihren Lebensraum.
Mit diesem Wissen kann man den verringerten Pflegeintervallen von öffentlichem Grün aufgrund der sehr angespannten Haushaltslage vielleicht auch etwas Gutes abringen.
Der Ehrentag des Unkrauts erinnert daran, dass nicht jede spontane Pflanze in besiedeltem Gebiet bekämpft werden muss. Viele sogenannte „Unkräuter“ sind essbar, heilkräftig oder leisten wertvolle Dienste im Naturhaushalt. Brennnesseln etwa sind Lebensraum für zahlreiche Schmetterlingsraupen, während Löwenzahn eine wichtige Nahrungsquelle für gut 70 Wildbienenarten darstellt. Gundermann, Veilchen, Taubnessel und Ehrenpreis erfreuen uns gerade jetzt mit ihrer Blütenfülle am Wegesrand und läuten den Frühling ein.
Auch unsere Gärten, Höfe und Balkone dürfen naturnah und ein wenig wilder sein. Statt sofort zum Unkrautstecher zu greifen, lohnt sich ein entspannter Blick vom Liegestuhl auf die Vielfalt der Pflanzen und deren Blütenbesucher. Da sind einige Überraschungen garantiert und danke Bestimmungsapps, wie Flora Inkognita oder Obsidentify, findet auch der interessierte Laie einen einfachen Zugang zur Vielfalt unserer Stadtnatur. Der Ehrentag des Unkrauts ist daher nicht nur als eine humorvolle Erinnerung an die Hartnäckigkeit der Natur zu verstehen, sondern vor allem als ein Aufruf zu mehr Biodiversität in unseren Gärten, Parks sowie Weg- und Straßenrändern.




