Häusliche Gewalt geht uns alle an!

43 Prozent mehr Fälle häuslicher Gewalt als im Vorjahr: Das geht aus der aktuellen polizeilichen Kriminalitätsstatistik für Mannheim hervor. Damit liegt der Anstieg deutlich über dem Durchschnitt des Rhein-Neckar-Raums, wo die Fallzahlen um 22,6 Prozent zugenommen haben – der höchste Stand der vergangenen fünf Jahre.
Christina Eberle, sicherheitspolitische Sprecherin: „Das sind besorgniserregende Zahlen.
Einzelne Ursachen für den Anstieg lassen sich nicht eindeutig belegen. Vieles spricht jedoch für ein Zusammenspiel verschiedener gesellschaftlicher und sozialer Faktoren. Ein kleiner Lichtblick: Die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für das Thema ist gestiegen, Beratungsangebote sind sichtbarer geworden und Betroffene brechen zunehmend das Schweigen und bringen häusliche Gewalt zur Anzeige. Das erklärt zu einem gewissen Teil den Anstieg.“
Dennoch bleibt die Dunkelziffer vermutlich hoch. Viele Fälle geschehen weiterhin hinter verschlossenen Türen und werden nie gemeldet. Und noch etwas zeigt die Statistik klar: häusliche Gewalt ist und bleibt ein gesamtgesellschaftliches Problem.
In Baden-Württemberg wird häusliche Gewalt als Gewalt in bestehenden oder ehemaligen Partnerschaften definiert. Das umfasst physische und psychische Gewalt gleichermaßen. Die Zahlen zeigen außerdem: Rund 80 Prozent der Tatverdächtigen sind Männer.
Alice van Scoter, frauenpolitische Sprecherin: „Wir setzen uns für den Erhalt und die verlässliche Finanzierung von Hilfsangeboten ein. Aber wir müssen auch an die Ursache des Problems. Deshalb setzen wir uns z.B. für professionelle Täter- und Täterinnenarbeit ein. Gewalt muss frühzeitig unterbrochen werden, um Betroffene langfristig zu schützen. Prävention darf nicht erst beginnen, wenn bereits schwere Gewalt verübt worden ist.“
Wir bleiben dran und setzen uns dafür ein, dass die Anzahl der Fälle und damit die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt wieder sinkt.




