PFAS und TFA im Mannheimer Trinkwasser
Anfrage zur Sitzung des Gemeinderats am 03.02.2026
Die Verwaltung berichtet dem Gemeinderat schriftlich:
- Mit welchen Schadstoffen und in welcher Konzentration ist das Grundwasser belastet?
- Bei welchen Schadstoffen werden die Trinkwassergrenzwerte im Grundwasser überschritten und deshalb mit unbelastetem oder weniger belastetem Grundwasser verdünnt?
- Wie ist der technische Zustand der Trinkwasserleitungen in Mannheim?
- Wie ist die weitere Entwicklung der Schadstofffracht im Grundwasser, auch im Hinblick auf die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ PFAS und TFA (Trifluoracetat) zu bewerten?
- Wie hoch ist die genaue Konzentration von TFA im Mannheimer Trinkwasser, welches beim Endkonsumenten aus der Leitung kommt?
- Variieren die Werte in den verschiedenen Stadtteilen bzw. Mannheimer Norden und Süden? Wenn ja, wie sind die aktuellen Messwerte in den jeweiligen Stadtteilen?
- Wie häufig wird die Konzentration von TFA im Trinkwasser gemessen?
- Variieren die Werte erheblich zwischen den Messzeiträumen und ist ein Anstieg festzustellen?
- Wie sind Vergleichswerte von TFA in anderen Städten in Deutschland, wie zum Beispiel in Hamburg, Berlin, München? Ist das Mannheimer Wasser im Vergleich zu anderen deutschen Städten eher stark oder weniger mit TFA belastet?
- Welche Möglichkeiten gäbe es, die Konzentration von TFA im Mannheimer Trinkwasser zu reduzieren? Wäre der Einsatz von Filtern oder eine stärkere Verdünnung mit unbelastetem Wasser möglich?
- Hat sich die Stadt Mannheim oder die MVV als Trinkwasserversorger für Mannheim in den letzten Jahren beim Regierungspräsidium oder beim baden-württembergischen Umweltministerium dafür eingesetzt, dass die Firma Solvay kein TFA mehr in den Neckar einleiten darf, weil dadurch möglicherweise die Trinkwasserqualität beeinträchtigt werden könnte?
Begründung
In den vergangenen Monaten haben zahlreiche Medienberichte – unter anderem des SWR und des ZDF – auf eine zunehmende Belastung des Neckars mit Trifluoressigsäure (TFA) hingewiesen. Aufgrund der besonderen Eigenschaften von TFA – hohe Wasserlöslichkeit, extreme Mobilität und praktisch vollständige Persistenz – gelangt TFA auch in das Trinkwasser der am Neckar gelegenen Kommunen. Gängige Aufbereitungsverfahren der Trinkwasserwerke – etwa Sandfiltration oder Aktivkohle in konventioneller Ausführung – können TFA nicht entfernen. Nur sehr aufwändige Verfahren, wie Umkehrosmose oder spezialisierte Ionentauscher, könnten TFA zurückhalten.
TFA ist problematisch, weil es sehr persistent (also langlebig), hoch mobil in Wasserlösungen und biologisch nicht abbaubar ist. Es reichert sich in Flüssen, im Grundwasser und potenziell im Trinkwasser an, ohne dass klassische Wasseraufbereitungsverfahren es effektiv entfernen könnten. Es reichert sich im menschlichen Körper an und wird laut aktuellen Bewertungen von Bundesbehörden als „fortpflanzungsgefährdend“ eingestuft.
Laut Medienberichten trägt das Chemieunternehmen Solvay in Bad Wimpfen maßgeblich zur hohen Belastung des Neckarwassers mit TFA bei, da es seit Jahren genehmigt TFA-haltige Abwässer in den Fluss einleitet. Aktuell sind es 1 Kilogramm pro Stunde.
Der gesundheitliche Leitwert für TFA im Trinkwasser wurde vom Umweltbundesamt von zuvor 3 µg/L auf 60 µg/L angehoben. Laut Medienberichten soll diese deutliche Erhöhung auf neuere, teils von Solvay bereitgestellte toxikologische Studien zurückgeführt worden sein, was in Medien sowie von Umweltverbänden kritisch diskutiert wird.
Angesichts der fortgesetzten Belastung des Neckarwassers ist es notwendig, dass die Verwaltung die aktuelle Situation umfassend darstellt, vorhandene Messdaten offenlegt und bewertet, sowie mögliche Vorsorgemaßnahmen prüft. Die vorliegende Anfrage soll Transparenz zu schaffen.
https://www.zdf.de/play/reportagen/die-spur-224/tfa-gefahr-im-trinkwasser-102








