10-Punkte Hitze-Sofortplan
Mannheim ist eine der heißesten Städte Deutschlands. Die Klimakrise sorgt für eine steigende Hitzebelastung im Sommer, der hohe Versiegelungsgrad verstärkt die Hitze.
Mannheim war eine der ersten Städte mit Hitzeschutzaktionsplan. Die Weiterführung des Plans befindet sich in der Beschlussfassung. Er ist mit zahlreichen Maßnahmen ein wichtiger Teil des Klimafolgenanpassungskonzepts. Die Umsetzung ist träge, einige Maßnahmen brauchen Jahre, um zu wirken.
Es besteht jedoch jetzt spürbar Handlungsbedarf angesichts der sich häufenden, früher beginnenden und immer länger andauernden Hitzewellen. Wir schlagen daher einen 10-Punkte Hitze-Sofortplan vor, der schnell umsetzbare Maßnahmen enthält. Damit kann bereits die aktuelle Hitzeperiode für viele Betroffene etwas erträglicher gemacht werden. Dabei sollten besonders belastete Quartiere wie die Quadrate, die Neckarstadt-West oder der Bereich um den Hauptbahnhof gezielt priorisiert werden, da dort viele versiegelte Flächen und extreme Hitzebelastung zusammenkommen. Die weiteren Quartiere müssen entsprechend priorisiert nachgearbeitet werden.
Schutzbedürftige Gruppen wie Kinder, ältere Menschen, Schwangere, Menschen mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen, Suchterkrankte, Wohnungs- und Obdachlose müssen besonders beachtet werden. Für sie stellen die extremen Temperaturen ein besonders hohes Gesundheitsrisiko dar.
Wir fordern daher die sofortige Umsetzung folgender Maßnahmen:
- Einrichtung von temporären und mobilen Wassernebelduschen oder Sprühnebelanlagen mit geringem Wasserverbrauch. Solche Anlagen können insbesondere an heißen Orten eine direkte Kühlung bewirken und das Mikroklima punktuell verbessern. Die Einrichtung auf Schulhöfen und Kita- Außenbereichen kann eine Erleichterung für Schüler*innen und Lehrer*innen in den Schulpausen bringen.
- Neben der langfristigen natürlichen Beschattung durch Bäume können kurzfristig Sonnensegel im öffentlichen Raum und auf weiteren Freiflächen, wie beispielsweise Schulhöfen und an Pflegeheimen, für Beschattung sorgen.
- Verlängerung der Öffnungszeiten der Freibäder sowie kostenfreier Eintritt für Schüler*innen an Hitzetagen ab Hitzewarnstufe 1. Die Maßnahmen ermöglichen eine Abkühlung in den Bädern auch in den Abendstunden und noch mehr Kindern und Jugendlichen den Freibadbesuch durch Vorlage des Schülerausweises.
- Einrichtung und kostenfreier Zugang zu weiteren kühlen Orten zum Aufhalten und Arbeiten. Hier insbesondere die verstärkte Nutzung von Räumen, die kühl, jedoch momentan nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind, beispielsweise der Rosengarten.
- Verlängerung der Öffnungszeiten bestehender kühler Orte im Stadtgebiet, beispielsweise der Abendakademie, den Museen und Stadtparks. Insbesondere schutzbedürftige Menschen, deren Wohnungen stark aufgeheizt sind, brauchen mehr kühle Orte, an denen ein längerer konsumfreier Aufenthalt möglich ist.
- Aufstellen von mobilen Sitzgelegenheiten im Stadtgebiet, vor allem in kühlen Räumen, beispielsweise im Stadthaus N1 unterhalb der Stadtbibliothek. Die Maßnahme ermöglicht eine kurze Erholung und auch längeren Aufenthalt in kühlen Räumen und im schattigen öffentlichen Raum.
- Sensibilisierung zu kühlen Orten und zusätzliche Trinkwasserbrunnen. Hierzu bedarf es einer breiten Aufklärungskampagne der Stadt Mannheim durch großformatige Plakate und Hinweisschilder im öffentlichen Raum sowie digital über Social Media und die
Mannheim-App. - Verstärkte Teilnahme an der Aktion „Refill“ an allen öffentlich zugänglichen Orten plus entsprechender Bewerbung und Aufnahme in die „Kühle Orte“- Karte
- Temporäre Verkehrsberuhigung in besonders heißen Stadtbereichen, um Abwärme und Luftschadstoffe, die sich bei Hitze konzentrieren, zu reduzieren.
- Stärkung des „Koordinationskomitees Hitze“ aus dem Hitzeaktionsplan 2.0 unter Einbeziehung aller relevanten Akteur*innen (Verwaltung, BOS- Organisationen, Kliniken, Sozialverbände, Unternehmen, etc.), die rechtzeitig Maßnahmen einleitet, bevor es zu einer angekündigten Hitzewelle kommt.
Die von uns vorgeschlagenen Maßnahmen können dabei nur der Anfang sein. Sie sind aber so ausgewählt, dass sie schnell und trotz der finanziell schwierigen Lage der Stadt umgesetzt werden können.




