Wirtschaft fördern- Proaktive Steuerung der Ansiedlungen von Zukunftstechnologien: Rechenzentren in Mannheim
Anfrage zur Sitzung des Gemeinderats am 28.04.2026
Die Verwaltung informiert den Gemeinderat:
- Wie viele formelle Anfragen oder informelle Interessensbekundungen für den Bau oder die Erweiterung von Rechenzentren liegen der Stadtverwaltung aktuell vor (aufgeschlüsselt nach Stadtbezirken)?
- Gibt es in Mannheim eine spezifische Standortstrategie oder einen „Masterplan Rechenzentren“, um Ansiedlungen gezielt in Gebiete mit hoher Abwärme-Abnahmekapazität oder ausreichender Strominfrastruktur zu lenken?
- Nach welchen bau- und planungsrechtlichen Kriterien bewertet die Stadtverwaltung derzeit solche Vorhaben?
- Wie hoch schätzt die Verwaltung die potenziellen Gewerbesteuereinnahmen im Verhältnis zum hohen Flächenverbrauch ein (insb. im Vergleich zu produzierendem Gewerbe)?
- Welche Stelle innerhalb der Verwaltung (z. B. Wirtschaftsförderung, Stadtplanung oder Umweltamt) koordiniert die Ansiedlungsanfragen, um eine ganzheitliche Bewertung der Auswirkungen sicherzustellen?
- Gibt es eine Abstimmung mit Kommunen der Metropolregion Rhein-Neckar über den Umgang mit Rechenzentrumsansiedlungen, um eine koordinierte Flächen- und Energieplanung zu ermöglichen?
- Welche Rolle spielt bei der Bewertung von Rechenzentrumsansiedlungen die Frage der regionalen und europäischen Wertschöpfung, insbesondere im Vergleich zu Projekten internationaler Cloud-Konzerne (Stichwort Google, Amazon Web usw.)?
- Stromnetz: Wie bewertet die Stadt die Kapazität der Umspannwerke im Hinblick auf den hohen Leistungsbedarf von Rechenzentren, insbesondere mit Blick auf die gleichzeitige Elektrifizierung von Industrie und Verkehr?
- Abwärmenutzung und Fernwärme: Welche Möglichkeiten sieht die Stadt Mannheim, die Abwärme zukünftiger Rechenzentren in bestehende oder geplante Fernwärmenetze einzuspeisen? Gibt es hierzu bereits Gespräche mit potenziellen Betreibern oder mit der MVV Energie AG?
- Wasserverbrauch: Welche Anforderungen stellt die Stadt Mannheim an Kühlkonzepte zukünftiger Rechenzentren, insbesondere im Hinblick auf den Wasserverbrauch (z. B. Verdunstungskühlung gegenüber luft- oder flüssigkeitsbasierter Kühlung)?
Begründung
Schon jetzt ist Frankfurt am Main am Limit und erlässt strenge Regeln. Investoren weichen nun ins Umland aus. Mannheim sollte hier nicht „unvorbereitet“ zum Ausweichquartier werden, sondern von Anfang an hohe Standards setzen.
Die fortschreitende Digitalisierung, insbesondere der aktuelle Boom im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), führt europaweit zu einem massiven Ausbaubedarf an Rechenzentrumskapazitäten. Auch die Metropolregion Rhein-Neckar mit ihrer starken Industrie- und Forschungslandschaft rückt zunehmend in den Fokus von Investoren.
Für die Stadt Mannheim ergeben sich daraus Zielkonflikte: Einerseits sind Rechenzentren essenziell für die lokale Wirtschaft und digitale Souveränität. Andererseits verbrauchen sie große Mengen an Strom und Wasser, beanspruchen wertvolle Gewerbeflächen bei vergleichsweise geringer Arbeitsplatzdichte und können die städtischen Klimaziele sowie die Netzkapazitäten unter Druck setzen.
Eine proaktive Steuerung der Ansiedlungen ist sinnvoll. Dafür muss die Stadt sicherstellen, dass Rechenzentren kein ökologischer Ballast, sondern Teil der lokalen Energiewende werden.




