Etat 2020/21: Klimaoffensive & Biodiversität: Sandtorfer Bruch zum Niedermoor entwickeln

Der Gemeinderat beschließt:

Die Verwaltung gibt ein Gutachten in Auftrag, das die Möglichkeiten untersucht, die tiefen Lagen des Sandtorfer Bruchs langfristig zu einem Niedermoor zurück zu entwickeln.

Aufbauend auf den Ergebnissen der Biotopverbundplanung soll eine Bestandsaufnahme der landwirtschaftlichen Nutzung der letzten Jahre erfolgen, sowie die Eigentumsverhältnisse aufgelistet werden. Es sollen die verschiedenen Wiesentypen beschrieben werden, die auf den einzelnen Flächen entsprechend ihrer Standortbedingungen entwickelt werden können. Und es sollen verschieden Anlagemethoden vorgestellt und hinsichtlich ihres Beitrags zur Stärkung der Biodiversität abgewogen werden:

  • Entwicklung über natürliche Sukzession
  • Saatgutübertragung von Spenderflächen aus der Region
  • Ansaat von gebietsheimischem Saatgut

Die Maßnahme soll auch dem Artenschutz dienen und besonders die Lebensraumansprüche von Wiesenbrütern, wie Kiebitz und Grauammer oder Amphibien, wie Wechselkröte und Kreuzkröte berücksichtigen.

Die Fördermöglichkeiten sollen aufgezeigt werden, wie z.B. das Moorschutzprogramm Baden-Württemberg oder die Landschaftspflegerichtlinie.

Bei den Maßnahmen ist auch zu berücksichtigen, dass die neue Bewirtschaftung für die Landwirte eine berechenbare Einnahmequelle bietet.

Werden Ackerflächen von privat veräußert, soll die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und die Flächen für den Naturschutz dauerhaft sichern.

Begründung:

Bis Mitte des 18.Jahrhunderts erstreckte sich im Sandtorfer Bruch ein ausgedehntes Niedermoor. Die Anlage von Entwässerungsgräben hat erst den Torfabbau und später die landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht.

Die Gräben haben schon lange ihre Entwässerungsfunktion verloren und wachsen mit Schilf und Gehölzen zu. Zudem steigt in den letzten Jahren der Grundwasserspiegel wieder an, weil die Industrie deutlich weniger Grundwasser fördert. In Folge dessen ist in Jahren mit durchschnittlicher Niederschlag die landwirtschaftliche Nutzung nicht oder nur bedingt möglich, die Äcker stehen teils dauerhaft unter Wasser. Der Ertrag für die Landwirte ist nicht berechenbar und sehr stark von der Witterung abhängig.

Das naturschutzfachliche Potential des Sandtorfer Bruchs ist enorm, viele bestandsbedrohte Tier- und Pflanzenarten können hier wieder einen Lebensraum finden.

Moore sind ein hervorragende CO2-Senke und so kann mit dieser Maßnahme auch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

Und nicht zuletzt kann ein umsichtig aufgestelltes Naturschutzprogramm im Sandtorfer Bruch für die Landwirte zu einer verlässlichen Einnahmequelle werden.

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09. Dezember 2019
Kategorien: Anträge 2019 | Schlagwörter: , , |